Wenn Angehörige an ihre Grenzen kommen

Dunkler Raum und eine verzweifelte Person

Pflege und Unterstützung kosten Kraft. Der Beitrag zeigt, warum Angehörige Entlastung brauchen und wie LebensLinien 60+ auch sie begleitet.

Viele Angehörige übernehmen im Alltag viel: sie begleiten, organisieren, pflegen und hören zu. Das ist wertvoll, kann aber auf Dauer sehr belasten. Wer ständig für andere da ist, braucht häufig auch selbst Unterstützung.

Zwischen Fürsorge und Erschöpfung

Pflegende Angehörige stehen oft unter Daueranspannung. Sie wollen helfen und funktionieren, haben aber gleichzeitig eigene Verpflichtungen, Sorgen und Grenzen. Die Belastung bleibt häufig lange unsichtbar, obwohl sie sich körperlich und seelisch deutlich bemerkbar machen kann.

Typische Folgen sind Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafprobleme oder Schuldgefühle. Viele erleben das Gefühl, nie genug zu tun. Die Forschung zeigt, dass pflegende Angehörige häufiger unter psychischen und körperlichen Belastungen leiden als Nicht-Pflegende.

Eigene Grenzen ernst nehmen

Hilfe anzunehmen ist kein Scheitern. Es kann bedeuten, Aufgaben zu teilen, Gespräche zu suchen oder professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Auch kleine Pausen sind wichtig, damit Fürsorge nicht zur Selbstüberforderung wird.

Gerade wer lange durchhält, merkt oft erst spät, wie erschöpft er oder sie eigentlich ist. Deshalb lohnt es sich, früh auf Warnzeichen zu achten: gereizte Stimmung, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren.

Angehörige brauchen mitgemeint zu sein

Wer ältere Menschen begleitet, sollte nicht nur deren Bedürfnisse sehen, sondern auch die eigene Lage ernst nehmen. Unterstützung für Angehörige ist kein Extra, sondern ein wichtiger Teil guter Begleitung. Das ist auch ein Schutz davor, selbst in eine Krise zu geraten.

Wie LebensLinien 60+ helfen kann

Auch Angehörige dürfen sich an LebensLinien 60+ wenden, wenn die Belastung zu groß wird und kein guter Ort zum Reden da ist. Die schriftliche Beratung kann helfen, die eigene Überforderung, Schuldgefühle und Erschöpfung in Worte zu fassen, ohne sofort reagieren oder sich rechtfertigen zu müssen. Das Angebot ist anonym, kostenfrei und persönlich; bei passender Situation wird der Austausch von einer festen Beraterin oder einem festen Berater weitergeführt.

Quellen

  • LGL Bayern: Gesundheitliche Belastungen von pflegenden Angehörigen.lgl.bayern
  • BMBFSFJ: Einsamkeitsbarometer 2024.bmbfsfj.bund
  • Goebel J, Liebig S, Richter D, Schröder C, Schupp J, Wenzig K (2023) SOEP-Innovationssample (SOEP-IS), Daten der Jahre 1998-2019. SOEP Socio-Economic Panel Study.
  • Janson P, Willeke K, Zaibert L, Budnick A, Berghöfer A, Kittel-Schneider S, Heuschmann PU, Zapf A, Wildner M, Stupp C, Keil T (2022a) Mortality, Morbidity and Health-Related Outcomes in Informal Caregivers Compared to Non-Caregivers: A Systematic Review. International journal of environmental research and public health 19.
  • Janson P, Willeke K, Zaibert L, Budnick A, Berghöfer A, Kittel-Schneider S, Heuschmann PU, Zapf A, Wildner M, Stupp C, Keil T (2022b) Mortality, morbidity and health-related outcomes in informal caregivers compared to non-caregivers: a systematic review. In: Soziale Gesundheit neu denken: Herausforderungen für Sozialmedizin und medizinische Soziologie in der digitalen Spätmoderne – Gemeinsame Jahrestagung der DGSMP und der DGMS 754. Georg Thieme Verlag.
  • Statistisches Bundesamt (Destatis) (2020) Pflegestatistik. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung Deutschlandergebnisse 2019. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/Publikationen/Downloads-Pflege/pflege-deutschlandergebnisse-5224001199004.pdf;jsessionid=F575BC2A3B0FD844017B6269F6E49442.live722?__blob=publicationFile (24.08.2021).
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